Warum dein Handy nachts heimlich arbeitet: Diese Apps musst du jetzt stoppen

Warum werden Smartphones durch App-Berechtigungen langsamer?

Android erlaubt Apps den Zugriff auf verschiedene Hardware-Komponenten und Systemfunktionen – das macht das System flexibel, birgt aber auch Tücken. Viele Anwendungen fordern weitaus mehr Berechtigungen an, als sie für ihre eigentliche Funktion benötigen. Eine Taschenlampen-App braucht beispielsweise keinen Zugriff auf deine Kontakte oder deinen Standort, trotzdem fordern solche Apps diese Rechte häufig an.

Wenn dutzende Apps gleichzeitig im Hintergrund auf GPS-Daten zugreifen, den Standort aktualisieren oder das Mikrofon überwachen, verbraucht das massiv Energie und Rechenleistung. Der Prozessor muss mehrere Aufgaben parallel bewältigen, und die Systemressourcen werden beansprucht. Apps können dadurch langsamer starten oder verzögert reagieren, besonders wenn nicht genügend RAM zur Verfügung steht. Das Ergebnis: Dein Smartphone fühlt sich träge an, obwohl du eigentlich gar nichts Aufwendiges machst.

Der versteckte Datenhunger: Was Apps im Hintergrund wirklich treiben

Besonders kritisch sind Berechtigungen, die dauerhaften Zugriff ermöglichen. Der Standortzugriff im Hintergrund ist hier der Spitzenreiter: Apps können so jederzeit deinen Aufenthaltsort erfassen, auch wenn du sie gerade nicht benutzt. Das GPS-Modul gehört zu den stromhungrigsten Komponenten deines Smartphones und sollte deshalb nur bei Bedarf aktiviert werden.

Auch Mikrofon- und Kamera-Berechtigungen können problematisch sein. Einige Apps aktivieren diese Sensoren im Hintergrund, um beispielsweise auf Sprachbefehle zu reagieren oder Umgebungsgeräusche zu analysieren. Das klingt praktisch, bedeutet aber auch: Dein Smartphone arbeitet permanent, selbst wenn es scheinbar nichts tut.

Hinzu kommen Apps, die ständig auf deine Kontakte, Kalender oder den Speicher zugreifen. Jeder dieser Prozesse erfordert Rechenleistung und Arbeitsspeicher. Wenn zehn oder zwanzig Apps gleichzeitig solche Hintergrundaktivitäten ausführen, wird’s eng. Manche Apps laden im Hintergrund sogar Daten herunter oder synchronisieren ständig mit Cloud-Diensten, was zusätzlich deine mobile Datenverbindung belastet.

So findest du heraus, welche Apps dein System belasten

Android bietet seit mehreren Jahren deutlich bessere Kontrollmöglichkeiten über App-Berechtigungen. Die meisten Nutzer wissen davon aber nichts oder nutzen die Funktionen zu selten. Dabei ist es gar nicht kompliziert, sich einen Überblick zu verschaffen.

Berechtigungsmanager öffnen

Der erste Schritt führt dich in die Einstellungen deines Android-Smartphones. Navigiere zu „Apps“ oder „Anwendungen“ und tippe auf „Berechtigungsmanager“ oder „App-Berechtigungen“. Der Name variiert je nach Android-Version und Hersteller, aber die Funktion findest du bei allen modernen Android-Geräten.

Hier siehst du eine Übersicht aller verfügbaren Berechtigungen. Konzentriere dich zunächst auf die besonders ressourcenintensiven: Standort, Mikrofon, Kamera, Körpersensoren sowie SMS und Anrufe. Wenn du auf eine Kategorie wie „Standort“ tippst, zeigt dir Android alle Apps, die Zugriff darauf haben. Achte besonders auf Apps mit der Einstellung „Jederzeit zulassen“ – diese können auch im Hintergrund permanent auf deinen Standort zugreifen und damit kontinuierlich Akku verbrauchen.

Dashboard für versteckte Zugriffe nutzen

Ab Android 12 gibt es das praktische Datenschutz-Dashboard. Du findest es meist unter Einstellungen → Datenschutz → Datenschutz-Dashboard. Hier siehst du eine Timeline, die genau aufschlüsselt, welche App wann auf welche Berechtigung zugegriffen hat. Das ist extrem hilfreich, um Apps zu identifizieren, die heimlich im Hintergrund aktiv sind. Manche Apps greifen mitten in der Nacht auf dein Mikrofon zu oder checken alle paar Minuten deinen Standort – und du bekommst davon nichts mit.

Berechtigungen intelligent einschränken – so geht’s richtig

Jetzt wird aufgeräumt, aber mit Bedacht. Nicht jede Berechtigung ist unnötig, es kommt auf die richtige Konfiguration an. Wer zu radikal vorgeht, riskiert, dass wichtige Funktionen nicht mehr laufen.

Standortberechtigungen optimieren

Für die meisten Apps reicht die Option „Nur während der Nutzung zulassen“ völlig aus. Selbst Navigations-Apps wie Google Maps funktionieren damit einwandfrei – sie bekommen Zugriff auf GPS, wenn du sie aktiv nutzt, aber nicht wenn sie im Hintergrund schlummern. Nur wenige Apps wie Fitness-Tracker oder Familien-Ortungs-Apps benötigen wirklich „Jederzeit“-Zugriff. Um Energie zu sparen, solltest du GPS grundsätzlich ausschalten, wenn du es nicht brauchst.

Mikrofon und Kamera

Hier solltest du grundsätzlich restriktiv sein. Sprachassistenten und Messenger brauchen natürlich Zugriff, aber wirklich nur während der Nutzung. Apps, die dauerhaften Kamera- oder Mikrofonzugriff fordern, ohne dass du den Grund nachvollziehen kannst, solltest du kritisch hinterfragen oder die Berechtigung entziehen. Manche Shopping-Apps fordern Kamera-Zugriff für Barcode-Scanner, nutzen die Berechtigung aber auch für andere Zwecke.

Kontakte und Speicher

Viele Apps fordern Zugriff auf deine Kontakte, obwohl sie diese Funktion kaum nutzen. Messenger und E-Mail-Apps benötigen diesen Zugriff sinnvollerweise, aber ein Mobile Game? Eher nicht. Beim Speicherzugriff gilt: Apps sollten idealerweise nur auf ihre eigenen Ordner zugreifen können, nicht auf das gesamte System. Neuere Android-Versionen machen hier einiges besser, aber bei älteren Geräten hast du oft noch sehr weitreichende Speicher-Berechtigungen.

Berechtigungen automatisch zurücksetzen lassen

Android bietet seit Version 11 eine clevere Funktion: Berechtigungen für Apps, die du längere Zeit nicht genutzt hast, werden automatisch zurückgesetzt. Gehe dazu in die Einstellungen → Apps, wähle eine App aus, die du selten nutzt, und tippe auf „Berechtigungen“. Hier findest du die Option „Berechtigungen entfernen, wenn App nicht verwendet wird“.

Diese Einstellung kannst du für jede App einzeln vornehmen. Bei neueren Android-Versionen ist sie teilweise standardmäßig aktiv, aber ein Kontrollblick schadet nicht. So stellst du sicher, dass vergessene Apps nicht über Monate hinweg im Hintergrund Ressourcen verbrauchen.

Radikal, aber wirksam: Apps komplett entfernen

Manchmal ist die beste Lösung, sich von Apps zu trennen, die mehr Schaden als Nutzen bringen. Stelle dir bei jeder App die Frage: Brauche ich das wirklich? Gerade kostenlose Apps finanzieren sich oft über Datensammlung und Werbung und belasten dein System dafür unnötig.

Viele vorinstallierte Apps lassen sich zwar nicht deinstallieren, aber zumindest deaktivieren. Gehe dazu in die App-Einstellungen, wähle die entsprechende App und tippe auf „Deaktivieren“. Die App wird dann nicht mehr ausgeführt und verbraucht keine Ressourcen mehr. Das gilt besonders für Bloatware, die Hersteller gerne vorinstallieren und die niemand wirklich nutzt.

Die Verbesserung ist spürbar

Nachdem du die Berechtigungen bereinigt hast, wirst du wahrscheinlich positive Effekte bemerken. Die Akkulaufzeit verbessert sich meist deutlich, da nicht mehr ständig GPS, Sensoren oder Netzwerkverbindungen aktiv sind. Auch Bluetooth solltest du ausschalten, wenn du es nicht brauchst – das spart zusätzlich Energie.

Ein weiterer Bonus: Du schützt gleichzeitig deine Privatsphäre. Weniger Berechtigungen bedeuten weniger Datenpunkte, die Apps über dich sammeln können. In Zeiten, in denen Daten zur wertvollsten Währung geworden sind, ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Manche Apps erstellen regelrechte Bewegungsprofile oder analysieren dein Nutzungsverhalten bis ins kleinste Detail.

Die regelmäßige Kontrolle von App-Berechtigungen sollte zur digitalen Routine gehören, ähnlich wie das Aufräumen des Speichers oder das Löschen des Cache. Nimm dir alle paar Monate zehn Minuten Zeit, um die Berechtigungen durchzugehen. Dein Smartphone wird es dir mit besserer Performance, längerer Akkulaufzeit und einem sparsameren Umgang mit Ressourcen danken. Besonders bei älteren Geräten macht sich dieser Frühjahrsputz bemerkbar.

Wie viele Apps dürfen bei dir auf den Standort zugreifen?
Keine Ahnung hab nie nachgeschaut
Über 10 Apps haben Dauerzugriff
Nur Navigation und Fitness-Apps
Habe alles auf nur während Nutzung
GPS bleibt bei mir generell aus

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